CDE Studies 18

Janine Hauthal
Metadrama und Theatralität: Gattungs- und Medienreflexion in zeitgenössischen englischen Theatertexten

Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier, 2010.
ISBN 978-3-86821-211-2, 380 S., kt., € 38,50 (2010)

Wie auf dem Theater etablieren sich auch im zeitgenössischen Schreiben für die Bühne zunehmend Formen der Darstellung ohne realistische Handlung, Figuren oder Dialoge, die zur Erneuerung etablierter Ästhetiken in Drama und Theater beitragen. Im Rückgriff auf Theorien des Metadramas erfolgt in der vorliegenden Studie erstmals eine systematische Erfassung und funktionstheoretische Bestimmung des medien- und gattungsreflexiven Potenzials dieser Schreibweisen. Dabei erfordert die Entwicklung vom Drama zum postdramatischen Theatertext eine umfassende Neukonzeptualisierung des Metadramas am Schnittpunkt von Literatur- und Theaterwissenschaft. Dem theoretischen Entwurf liegt ein intermedialer Ansatz zugrunde, für den die Unterscheidung von auf das Drama als Form oder Fiktion bezogenen metadramatischen Schreibweisen und auf das Theater – die Aufführung, den Medienwechsel oder Konventionen der theatralen Darstellung – bezogenen metatheatralen Schreibweisen von zentraler Bedeutung ist.

Die theoretischen Überlegungen zum Metadrama münden in ein differenziertes gattungs- und medienspezifisches Analyseraster sowie eine funktionstheoretische Skalierung. Dieses Instrumentarium wird in ausführlichen Analysen (post-)dramatischer Theatertexte von Peter Nichols, Michael Redhill, Martin Crimp, Sarah Kane und Alan Ayckbourn angewendet. Die Bandbreite der so aufgezeigten Metaisierungen reicht vom Aufbau einer Schreibillusion und von der Inszenierung einer Dramatikerfigur bis zu Metaisierungen im Nebentext und experimentellen Inszenierungen der Druckseite, die sich als anti-theatralische Verweigerungen der mise en scène erweisen und ein texttheatrales Funktionspotenzial entfalten.

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